Vorgänger*innen*
GENUG! lernt von den zahllosen Streiks und Protesten einzelner Frauen und Frauen*Bewegungen. Einige sind hier versammelt und warten auf Eure Erzählungen und Erfahrungen aus der ganzen Welt, um sie zu ergänzen.
Unsere frühesten Zeuginnen* in Literatur und Geschichte
Lysistrata, eine Figur von Aristophanes (411 v.u.Z.), die sich mit ihren Mitstreiterinnen mit einem radikalen ARKETA! – GENUG! gegen die Männer von Athen und Sparta verschwört – zum ersten Sexstreik der Historie. Sie fragt die Frauen: „Sagt, würdet ihr nun wohl, wenn ich das Mittel weiß, dem Krieg ein Ende machen?“ Die Frauen treten darauf in den Streik, Krieg und Zerstörung wurden beendet.
Wir denken an Fatima, Tochter des Propheten Mohamed – an ihren Protest gegen die Beschneidung ihrer Rechte, gegen das politische und soziale System ihrer Zeit, an ihre Weigerung, die Verhältnisse als gegeben hinzunehmen.
Wir erinnern an die Frauen in Nigeria, die 1929 britische Kolonialherrschaft herausforderten, mit Sit-ins, mit Blockaden von Regierungsgebäuden, mit Protestsongs gegen die geplante Besteuerung.
Wir stöbern im digitalen deutschen Frauenarchiv, und finden durch alle Zeiten hindurch die Idee /Behauptung /Sehnsucht formuliert:
„Wenn wir streiken, steht die Welt still!“
Wir lassen uns anstecken von dem Mut und dem Humor des isländischen Frauenstreiks 1975, bei dem 90 Prozent der Frauen alles zum Stillstehen brachten. Und verweisen auf den großartigen Dokumentarfilm dazu: „Ein Tag ohne Frauen“ und wollen alle ermutigen, sich mit dem Verleih in Verbindung zu setzen, und den Film in Euren Städten, Dörfern, Clubs zu zeigen; er gibt Kraft!
Wir beneiden alljährlich die Schweizerinnen. Ihre große Streikgeschichte geht auf 1918 zurück, damals gab es einen dreitägigen Generalstreik; Frauen galten als «entscheidende Kraft» im Landesstreik und ihr Stimmrecht war die zweite von neun Forderungen der Streikenden. Die landesweiten Frauenstreiks 1991, 2019 und 2023 waren danach die «größten öffentlichen Mobilisierungen» in der Schweiz seit 1918. Jeweils am 14. Juni beteiligten sich Hunderttausende Frauen an Protest– und Streikaktionen für ihre Rechte; und was ihnen gelang, würden wir gerne mit Euch erreichen; z.B. dass die Parlamentarier:innen ihre Sitzungen unterbrechen
Wir fühlen uns verbunden mit den Protestbewegungen der Gegenwart.
Wie den fünf Millionen Spanierinnen, die 2018 mit dem Slogan „«¡Sin nosotras, nada funciona!» die Straßen besetzten. Ohne uns geht nichts!
Wie der einen Million Frauen in Chile, die sich 2019, in Santiago wie im ganzen Land sich zu den basalen feministischen Forderungen zusammenfanden: „Ökonomische Gerechtigkeit, das Recht auf Abtreibung und ein Ende der sexuellen Gewalt“.
Wie dem „Global Women’s Strike“, der sich auch international versteht, als multikulturelles Basisnetzwerk, das sich für die Anerkennung und Bezahlung aller Pflegearbeit für Menschen und den Planeten einsetzt, für ein Care Income (Pflegeeinkommen).
Wie der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“, September 2022 im Iran. Auslöser war der gewaltsame Tod der 22-jährigen Jina (Mahsa) Amini, der weit über das Thema Kopftuchzwang hinausging. Sie starb nach Festnahme durch die Sittenpolizei wegen „falsch getragenem Hijab“.
Frauen legten daraufhin ihre Kopftücher ab, schnitten sich öffentlich und in geposteten Videos die Haare ab, verbrannten Hijabs und wurden mit brutaler Gewalt niedergeknüppelt. Ihr Motto „Frau, Leben, Freiheit“, (kurdisch:“Zan, Zendegi, Azadi“) ist inspiriert von kurdischen Frauenkämpfen und hat weltweit Resonanz erfahren.

Ina Wudtke: Fasia